Zählen und Erzählen: Erfahrungen aus dem KliB-Projekt

In unserem Projekt ging und geht es nicht nur um Zahlen und „harte“ Ergebnisse, sondern vor allem auch darum, ein genaueres Verständnis des eigenen CO2-Fußabdrucks zu bekommen und darüber hinaus sich selbst sowohl als selbstverantwortliches Individuum als auch politisches Subjekt zu verstehen. Dies kann demnach vor allem entstehen, wenn die Zahlen auch für andere erfahrbar werden. Es geht dabei also immer um das Zählen und Erzählen.

Um das Erzählen über die Zahlen noch besser zu unterstützen, möchten wir allen Haushalten, die bis zum Ende des Jahres Tracken, eine kleine grafische Übersicht bezüglich ihrer Emissionen im Jahresverlauf, aber auch hinsichtlich ihrer Ergebnisse in den Sektoren zukommen lassen.

Als kleiner Vorgeschmack und Anreiz bis zum Ende dabei zu bleiben hier eine Vorschau auf zwei Beispielhaushalte:

Beispielhaushalt 1: Schwerpunkt Flugemissionen
Zuerst möchten wir einen Blick auf die Sektoren dieses fiktiven Haushalts im Trackingverlauf werfen:


Abbildung 1: KliB-Beispielhaushalt 1 – Emissionen nach Kalenderwochen im Jahresverlauf 2018

An dem Verlauf der Emissionen für 2018 wird sofort deutlich, dass die Emissionen im Bereich Fliegen deutlich zu Buche schlagen. Dabei sind ein längerer Flug Anfang des Jahres und drei Kurzstreckenflüge im Frühjahr, Sommer und Herbst zu erkennen.
Nach Sektoren aufgeteilt zeigt sich, dass an zweiter Stelle der sonstige Konsum kommt und alle anderen Sektoren im Verhältnis dazu wesentlich kleiner ausfallen. Die heizungsbedingten Emissionen haben erwartungsgemäß einen U-Kurvenverlauf.

Abbildung 2: KliB-Beispielhaushalt 1 – Gesamtemissionen 2018 nach Sektoren

Bei dem Diagramm oben sind die relativen Anteile nach Sektoren für die Gesamtübersicht für 2018 abgebildet. Die Aufteilung der Mobilität in Boden und Flug macht noch einmal den Unterschied in den Anteilen und das relative Gewicht der Flugemissionen deutlich.
Interessant ist auch ein Blick auf das Vergleichsjahr 2017 und den bundesdeutschen Durchschnitt. Nachfolgende Abbildung bringt diesen Vergleich für unseren Beispielhaushalt 1

Abbildung 3: KliB-Beispielhaushalt 1 – Emissionen 2018 im Vergleich zu 2017 und zum Bundesdurchschnitt

Dieser Beispielhaushalt hat sich in jedem Sektor verbessern können. Große Einsparungen sind in dem Feld der Mobilität am Boden und im Konsum zu verzeichnen. Allerdings liegt unser Haushalt im Bereich Flugmobilität trotz Einsparungen noch immer deutlich über dem Bundesdurchschnitt, den er ansonsten im Laufe des KliB Reallabors merklich unterboten hat. Die Einsparungen belaufen sich auf 17,9 Prozent an CO2e gegenüber dem Vorjahr und das Jahr 2018 liegt damit 13,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Beispielhaushalt 2: Schwerpunkt Konsum

Auch hier beginnen wir mit der Verlaufsgrafik unseres zweiten Beispielhaushalts – dabei bitte den geänderten Maßstab (Emissionen, Y-Achse) beachten:

Abbildung 4: KliB-Beispielhaushalt 2 – Emissionen nach Kalenderwochen im Jahresverlauf 2018

Im Verlauf lässt sich schon erkennen, dass vor allem der Sektor „Sonstiger Konsum“ den größten Anteil ausmacht. Und in zwei Phasen im Jahr wurde verhältnismäßig mehr die Mobilität am Boden genutzt. Auch lässt sich hier die U-Kurve beim Heizen gut erkennen.

Die Sektoren untereinander verglichen zeigt die einzelnen Anteile in Prozenten:

Abbildung 5: KliB-Beispielhaushalt 2 – Gesamtemissionen 2018 nach Sektoren

Da der Fußabdruck dieses Haushaltes kleiner ist, nehmen die Öffentlichen Emissionen einen höheren Anteil ein. Größter Posten mit über der Hälfte sind hier die Emissionen durch sonstigen Konsum.

Im Vergleich zu 2017 und zum Durchschnitt in Deutschland zeigen sich die Reduktionen in den einzelnen Sektoren:

Abbildung 6: KliB-Beispielhaushalt 2 – Emissionen 2018 im Vergleich zu 2017 und zum Bundesdurchschnitt

In jedem Sektor wurde eine Einsparung erzielt. Im Jahr 2017 lag der Fußabdruck noch über dem Bundesdurchschnitt, 2018 nun deutlich unterhalb. Vor allem durch den Wegfall der Flugreisen kam eine erhebliche Reduktion von 42,3 Prozent zustande. Damit liegt dieser Haushalt mit seiner Bilanz 32,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Auch wenn der Sektor Konsum den höchsten Anteil in der Bilanz für 2018 ausmacht, so wurde hier eine Reduktion um 24,2 Prozent erzielt.

Das waren nur zwei Beispiele aus dem Reallabor. Es hat, wie berichtet, auch Haushalte gegeben, die 2018 mehr emittierten als 2017, meist bedingt durch Flugreisen. So ist es eben im Reallabor! Die Geschichten hinter diesen Zahlen müssten noch erzählt werden, auch die Frage, was denn leicht oder schwer gefallen ist oder wo sich die Haushalte selber mehr Erfolge gewünscht hätten oder was die Rolle der Politik ist. Dazu werten wir noch den Survey aus – er ist für alle, die ihn noch nicht ausgefüllt haben, noch freigeschaltet unter diesem Link – sowie die vielen Hinweise, die uns aus dem Forum, den Workshops und Einzelgesprächen erreicht haben.

Ergebnisse der KliB-Workshops: Erfahrungen aus dem laufenden Reallabor

Im Rahmen der Aktionswoche „Berlin spart Energie“ luden wir zu 2 Workshops in das Berliner Effizienzhaus Plus ein um mit den KliB-Haushalten und der interessierten Öffentlichkeit erste Ergebnisse des Projekts und Erfahrungen mit der Bilanzierung und dem Tracker zu besprechen.

Der erste Workshop fand am 12.11. unter dem Titel: „Klimaschutz durch private Haushalte – Was können Einzelne tun?“ statt. Hier sind wir zusammengekommen, um zu besprechen, was wir aus fast einem Jahr KliB-Projekt mitgenommen haben. Wir haben gefragt: In welchen Bereichen ist es leicht gefallen sich klimafreundlicher zu verhalten? Was hat Spaß gemacht? Was hat viel oder wenig gebracht?

Die Antworten darauf waren so divers, wie die KliB-Teilnehmenden. Für einige war der Verzicht auf Flugreisen kein Problem, andere haben es nicht geschafft, sie zu vermeiden. Manche haben das wöchentliche Tracking zur Routine gemacht, während einige Haushalte es schwierig fanden jede Woche den Tracker von neuem aufzurufen. Aber in einigen Punkten bestand auch großer Konsens: Fahrrad fahren kann Spaß machen! Darauf konnten sich fast alle einigen. Und auch der Kritik an der Kategorie „sonstiger Konsum“ konnten sich viele anschließen. Wie hier mit Langzeit-Investitionen umgegangen wird, warum die Obergrenze ausgerechnet bei 210€ liegt, und warum teure, qualitativ hochwertige und ggf. nachhaltig produzierte Produkte und Dienstleistungen negativ auf die CO₂-Bilanz wirken hat für Diskussionen im Forum und bei dem Workshop gesorgt.

Von vielen wurde auch unterstrichen, dass das Projekt einen großen Lerneffekt hatte. Welche Klimawirkungen das eigene Handeln hat und welche Bereiche des Alltags die CO₂-Bilanz besonders beeinflussen, wurde jede Woche beim tracken deutlich. Dass ein ganzes Jahr vegetarische Ernährung und das konsequente Einkaufen von Second-Hand Produkten in der Bilanz durch nur einen Kurzstreckenflug überdeckt wird, hat manche frustriert, doch es hat auch das Gefühl für die Relationen der CO₂-Emissionen geschärft.

Das Bewusstsein für nachhaltiges Verhalten ist gewachsen und der Alltag wird nun kritischer betrachtet. Immer wieder sind die Haushalte im Verlauf des Projekts an den Punkt gestoßen, wo sie als Privatperson eine Grenze erreicht haben. Warum ist es an manchen Stellen so schwer, klimafreundlich zu leben und warum gibt es so wenig Unterstützung dabei?

Vor dem Hintergrund dieser Auswertung ging es dann auch darum, die Brücke in die politische Sphäre zu schlagen. Welche Wünsche/ Forderungen stellen die Menschen an die Politik, die ein Jahr lang intensiv an der Verbesserung ihres CO₂-Fußabdruckes gearbeitet haben?

Ein Hauptthema in der intensiven Diskussion war die CO₂-Steuer. Den „echten“ Preis jedes Produktes zu verlangen, also auch den CO₂-Ausstoß mit zu rechnen, würde das klimafreundliche Handeln erleichtern, und einen ökonomischen Anreiz schaffen, ökologischer zu konsumieren. Wenn klimafreundliche Produkte auf einmal deutlich günstiger werden als klimaschädliche Produkte und Dienstleistungen, würden auch mehr Menschen zu klimafreundlichem Konsum animiert – auch und besonders jene, die bisher kein Interesse oder Wissen im Bereich Klimaschutz hatten. Diese These unterstrichen fast alle Teilnehmer*innen beider Workshops. Dass diese Idee von der Politik umgesetzt wird, wurde allerdings als eher unwahrscheinlich eingestuft. Wenn Bürger*innen die Umweltsteuer auf CO₂ nicht deutlich einfordern und den Entscheidungsträger*innen keinen Druck machten, dann werde nichts passieren, so die Argumentation.

Weder Staat noch die Bürger*innen können das Problem des Klimawandels alleine bekämpfen, da waren sich alle einig. Es braucht Eigeninitiative, gut informierte Menschen und Vorbilder, um klimafreundliches Verhalten in der breiten Gesellschaft umzusetzen. Aber ohne deutlichere politische Rahmenbedingungen geht es auch nicht. Und all das am besten, bevor es zu einer großen Klimakatastrophe kommt.

Es gibt noch viel zu tun, doch am Ende des ersten Workshops hatte man das Gefühl, dass mit vielen guten Ideen und großer Motivation auch einiges gelingen kann.

Bei dem zweiten Workshop lag der Fokus explizit auf dem Tracker. Unter dem Titel „Individuelle CO₂-Emissionen nachverfolgen – Perspektiven des CO₂-Trackings“ trafen wir uns am 13.11., um das Instrument der wöchentlichen Erfassung im Detail zu besprechen. Nach einer inhaltlichen Einführung zur Funktionsweise des Trackers und zur Bilanzierung von Produkten und Dienstleistungen, wurde sich darüber ausgetauscht, wie ein idealer Tracker aussehen könnte.

Gerade im Sektor Wohnen sollte sich der Tracker den Gegebenheiten des*r Nutzer*in anpassen. Auch kam die Idee auf, noch stärker zwischen Mobilität am Boden und in der Luft zu unterscheiden, um Erfolge in der Alltagsmobilität besser identifizieren zu können.
Eine noch detailliertere Einführung in das Tracking und die Funktionsweisen des Trackers würde zudem helfen, Fragen im Vorfeld auszuräumen. Ferner sollten beispielsweise Kosten für Reparatur extra gewertet werden, da diese die gewünschte Langlebigkeit von Produkten erhöhen.
Tipps und Tricks zur Einsparung könnten als Hilfestellung in die Eingabemaske integriert werden.
Für viele waren in dem Tracker die Genauigkeit und die Benutzer*innenfreundlichkeit in einem ausgewogenen Maße gegeben. Besonders hilfreich an dem Instrument des Trackers war, dass das wöchentliche Befassen mit der Thematik dabei geholfen hat, immer wieder über Einsparpotentiale nachzudenken.
Ein idealer Tracker könnte die eigene Entwicklung grafisch immer wieder aufarbeiten um den Nutzer*innen ein mitlaufendes Feedback zu ermöglichen. Wenn der Tracker mehr das Format einer App hätte, könnten weitere Elemente der Gamifikation integriert werden. Eine stärkere Vergleichbarkeit und Vernetzung mit anderen Haushalten wurde zudem als interessante Idee aufgebracht.

Über den Tracker hinaus wäre es denkbar, die Erfassung mit Kompensationsmöglichkeiten oder anderen Angeboten, beispielsweise einem Elektromobilitätsangebot der Stadtwerke zu verknüpfen. So könnte das Geld für CO2 Kompensation in lokale Projekte fließen und als Bonus den Haushalten vergünstigte Carsharing-Elektromobilität ermöglichen.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihre wertvollen Beiträge und ihr konstruktives Feedback und freuen uns die Ideen in die weitere Arbeit zu integrieren.

Seraja Bock und Klara Kaiser (KliB-Team)

“Erfahrungen – Realitäten – Visionen” – KLIB-Haushalte melden sich zu Wort

In diesem Format wollen wir in der restlichen Zeit des Reallabors Haushalte mit ihren Erfahrungen, Anregungen etc. zu Wort kommen lassen.[1] Heute berichtet Mechtild Lutze (Nickname im Projekt: Lume) über ihr Jahr im KliB-Projekt.

“Erfahrungen – Realitäten – Visionen”

Lohnt es sich für mich überhaupt bei „Klimaneutral Leben in Berlin“ (KliB) mitzumachen, hatte ich vor einem Jahr überlegt. Wo könnte ich noch CO2 einsparen? Strom- und Gasverbrauch waren immer schon sehr gering, bei der Ernährung sah ich kein wirkliches Potenzial, auch wenn ich mich nur hin und wieder vegan ernähre, ansonsten Milchprodukte in geringem Maße verzehre.
Mobilität: In Berlin fahre ich fast ausschließlich Fahrrad, ein Auto besitze ich nicht, für weitere Strecken nehme ich den Zug – bleiben nur die Flugreisen, ab und an, nicht in jedem Jahr. Die unbekannte Größe war der Sonstige Konsum. Wie würde das gemessen werden? Da ich mich als sparsame und bewusste Konsumentin einstufe, sollte das auch nicht zu sehr ins Gewicht fallen, so seinerzeit meine Gedanken.
Tendenziell lief es mit meinem CO2-Fußabdruck so, wie ich es mir vor einem Jahr vorgestellt hatte. Eigentlich lief es sogar besser, aber das vor dem Hintergrund, dass ich aufgrund eines Verkehrsunfalles Ende Mai in meiner Mobilität so beeinträchtigt war (leider ist der Fuß immer noch nicht ganz in Ordnung), dass ich nicht nur die geplanten Urlaube canceln musste, sondern nicht mal geplante Wochenend-Bahnfahrten in Deutschland antreten konnte. Summa summarum ist meine Mobilitätsbilanz besser als im Jahr 2017.

Nehme ich den Sonstigen Konsum noch ein wenig unter die Lupe, ist meine vordergründige Frage, warum es überhaupt die Geldwertstufen 35,-/ 70,- etc. gibt und die Endstufe bei mehr als 210,- Euro liegt. Eventuell habe ich da was übersehen Richtung Begründung. Warum wurde nicht festgelegt, dass der Betrag gewählt wird, den sie/er tatsächlich ausgegeben hat? Technisch dürfte das doch kein Problem sein, wenn hinter einer Summe X sonstiger Konsum eine bestimmte Größe CO2 gelegt wird. Was sagt nun z. B. ein Wert von 200,- Euro wirklich über die Beschaffenheit eines Produktes aus? Warum soll in jedem Produkt in Höhe von 200,- Euro die gleiche Menge CO2 liegen? Und warum die Festlegung auf maximal „mehr als 210,- Euro“ und egal, wie hoch die ausgegebene Summe dann ist, der CO2-Ausstoß bleibt gleich. Das kann ich nicht nachvollziehen.
Ich möchte diesen Punkt hier nicht weiter vertiefen, denn bekanntlich wurde und wird über diese Tracking-Komponente viel diskutiert.

Zur Komponente Ernährung ist es mir wichtig, hier in meiner Bilanz zu dem Thema vegan versus vegetarisch noch ein paar Gedanken zu äußern. Schwierig finde ich, dass die vegane Ernährungsweise per se mit weniger CO2 Ausstoß ausgewiesen wird. Das Verhalten des Einzelnen dahinter bleibt letztlich verschwommen. Lässt sich das wirklich so exakt feststellen, dass ich als tendenziell vegetarisch lebender Mensch eine schlechtere CO2 Bilanz habe als ein vegan lebender Mensch. Meine tierischen Produkte begrenzen sich pro Woche auf ca. 1-2 l Kuhmilch (in der Pfandglasflasche aus der Region), 500 g Speisequark (direkt vom Erzeuger im Pfandglas), 50-100 g Butter (direkt vom Erzeuger, verpackt in Pergamentpapier), ca. 50 g Hartkäse oder Fetakäse (Kuh, Ziege, Schaf direkt vom Erzeuger, ohne Verpackung). Wie würde der CO2-Abdruck eines vegan lebenden Menschen ausschauen, der vegane Drinks, aus Dinkel, Mandel, Hafer etc. in der Verbundverpackung kauft, Pflanzenmargarine, die in der Herstellung aufwendig ist (das heißt ein hochverarbeitetes Produkt ist und zudem in Kunststoff-/Aluverpackung angeboten wird) und veganen Käse konsumiert, der ebenfalls ein hochveredeltes Produkt in Kunststoffverpackung ist, Sojadessert oder ähnliche Produkte in Kunststoffverpackung und weitere verarbeitete Produkte, wie Seitan oder Tofu verzehrt?
Ich würde mir hier wünschen, noch mehr Gewicht auf individuelles Konsumverhalten zu legen.

Als Letztes möchte ich in meiner Bilanz noch auf den Faktor Mobilität eingehen. Hierbei beschäftigt mich das Thema Fliegen/Flugreisen und Kreuzfahrtschiffe am meisten. Denn zur Nutzung des Autos versus öffentliche Verkehrsmittel und/oder Fahrrad wird deutlich mehr diskutiert als über Flugreisen und Kreuzfahrtschiffe, wobei Letztere in letzter Zeit etwas mehr in die öffentliche Kritik geraten sind. Deutlich zu wenig bis gar nicht wird über die Begrenzung des Flugverkehrs gesprochen. In meiner Wahrnehmung hat sich das Fliegen zum billigen Massenprodukt entwickelt und kaum jemand fordert eine deutliche Begrenzung. Im Gegenteil, statt über die Schließung von Flughäfen oder wenigstens über Verbote von Neubauten und Erweiterungen zu sprechen, hört man vorrangig, dass die Kapazitäten nicht ausreichen! Die (individuelle) Flugreise erscheint mir immer mehr als so etwas wie eine „heilige Kuh“. Na ja, ohne Auto, das geht schon irgendwie aber nicht mehr zu fliegen, nein, das können sich selbst klimabewusste Menschen, Klimaschützer*innen/Aktivist*innen oder fortschrittliche Politiker*innen offenbar nicht vorstellen. Mir ist nicht mal im Ansatz eine Diskussion bekannt, geschweige denn konkrete Forderungen, die auf deutliche Begrenzungen des Flugverkehrs zielen.

Wie soll das gehen – klimaneutral?
Diese Frage beschäftigt mich ernsthaft und dabei bin ich u. a. auf folgendes Zitat gestoßen:

„(…) Von 12 Tonnen CO2 auf unter 1 Tonne CO2 pro Person und Jahr. Das ist die Position des Umweltbundesamtes im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft. Hierzu müssen wir noch viel tun. Insbesondere brauchen wir wirksame staatliche Rahmenbedingungen.“ (Quelle: Umweltbundesamt)

Eine Tonne pro Person pro Jahr – unvorstellbar!! Meine persönliche Prognose für 2018 liegt unter 5 Tonnen. Würden die öffentlichen Emissionen mit 0,73 t wegfallen, hätte ich immer noch 3 Tonnen zu viel. Betrachte ich meine Emissionen von 2,29 t beim sonstigen Konsum (Stand 11.11.2018) und würden diese wegfallen, hätte ich das Problem fast gelöst! In dieser Woche habe ich 140,- Euro für sonstigen Konsum angegeben, tendenziell lag ich zwischen 35,- und 70,- Euro pro Woche. In meiner Schätzung für 2017 lag ich bei 2,76 t. Der sonstige Konsum also wirklich ein Thema, siehe oben!

Klimaneutral Leben in Berlin – Hat das Projekt den falschen Namen gewählt oder müssen wir noch viel arbeiten an dieser Vision?!

Mechtild Lutze
(Lume)

 

[1] Hast Du/ Haben Sie ebenfalls ein Thema, das auch für andere Haushalte interessant ist? Und Du/ Sie möchten dazu gerne einen Newsletter-Beitrag verfassen? Dann würden wir uns über eine Nachricht an klib@pik-potsdam.de mit dem Stichwort “NL-Beitrag” freuen.

Hier ist mehr für alle drin

Die vor kurzem gegründete “Regionalwert AG Berlin-Brandenburg” will Stadt und Land stärker verbinden und aus der Region für die Metropolenregion Berlin produzieren. „Dazu wollen wir Partnerbetriebe vom Acker bis zum Teller stärken und mit ihnen gemeinsam neue Wege gehen. Bürgerinnen und Bürger haben jetzt die Chance, Aktien zu zeichnen und damit die Zukunft ihrer Lebensmittelversorgung selbst in die Hand zu nehmen“, führt Dr. Katharina Reuter, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg, aus.

Als Bürgeraktiengesellschaft werden regionale Betriebe wie Bauernhöfe, Lebensmittelhandwerk, Handel und Gastronomie mit Investitionen unterstützt. Diese Modell besteht bereits in Freiburg, Hamburg, in der Isar-Inn Region und im Rheinland und verfolgt die Zielsetzung, Wertschöpfung und Arbeitsplätze sowie mehr Ökolandbau zu fördern und unterstützt vor allem junge Betriebe.

Prof.  Martina Schäfer aus dem KliB-Beirat engagiert sich in der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg im Aufsichtsrat und sagt zu dem Projekt: „Ich möchte dazu beitragen, die Potenziale für regionale Wertschöpfungsketten besser auszuschöpfen und dem Ökolandbau zu einem neuen Schub zu verhelfen.“

Ziel: Gute Lebensmittel aus und für die Region

Die Regionalwert-Idee funktioniert über Bürger-Aktien, nicht über börsennotierten Aktien. Das Geld aus den Aktienverkäufen wird als Eigenkapital in regionale Betriebe investiert. Durch diese Investitions-Partnerschaft verpflichten sich die Betriebe auf soziale und ökologische Standards.
Im Ergebnis sollen dann  Wertschöpfung, Arbeitsplätze und gute Lebensmittel in der Region bleiben. Durch die Stärkung von kleinen Betrieben und regionaler Lebensmittelwirtschaft entsteht ein regionaler Verbund, getragen von den Bürgerinnen und Bürgern. Diese unterstützen das Konzept über die Aktien und als Kunden.

Die Aktionäre profitieren nicht nur durch eine ökologische, soziale und regionale gesamtwirtschaftliche Rendite. Auch stärken sie nachhaltig wirtschaftende Betriebe in der Region die mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln eine regionale Ernährungssouveränität fördern. Und sie kommen beispielsweise durch Veranstaltungen und Einladungen in direkten Kontakt zur Landwirtschaft, zum Lebensmittelhandwerk, Handel und zur Gastronomie. Aus Klimaschutz-Sicht ist die Stärkung regionaler Kreisläufe (geringere Transportemissionen) sowie der biologischen Landwirtschaft ebenfalls zu begrüßen.

Auf dem Heldenmarkt am 17. und 18. November stellt sich die Regionalwert AG Berlin-Brandenburg vor und beantwortet an ihrem Stand Fragen zu Aktienzeichnung, Investitionen, bio-regionaler Landwirtschaft und vielem mehr.

 

Weitere Informationen:
http://www.regionalwert-berlin.de/

Quellen:
http://www.regionalwert-berlin.de/wp-content/uploads/2018/07/PRESSEMITTEILUNG_Gru%CC%88ndung-1.pdf
http://www.regionalwert-berlin.de/

Ergebnisse aus dem Reallabor – Die fünf Haushalte mit den bisher höchsten Einsparungen

Noch bis Ende Dezember geht unser Reallabor – es bleiben also noch acht Wochen zum Tracken. Viele von Ihnen stellen sich nun sicher die Frage, wo stehe ich und was haben die anderen Haushalte erreicht.

Die Ballongrafik gibt Ihnen Orientierung – auch wenn sie einige Haushalte darstellt, die im Tracking zurückgefallen sind und somit das Bild etwas verzerren. So sind zum Beispiel einige Ballons zu sehen, die mit sehr geringen Emissionen – etwa zwischen 3 und 4 Tonnen – aufwarten. Diese geringen Zahlen sind allerdings meistens einem sehr frühen Ausstieg aus dem Tracking geschuldet.

Für die Auswertung des Reallabors haben wir nun begonnen, die Zahlen aufzubereiten und zu analysieren. Dafür haben wir nur jene Fälle berücksichtigt, die bis zu den Herbstferien durchgehend getrackt haben. In diesem Zusammenhang möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass Sie auch jetzt noch zurückliegende Wochen nachholen können, falls Sie sich noch an die Einzelheiten der versäumten Trackingwochen erinnern können!

Viele von Ihnen haben es geschafft am Ball zu bleiben und Ihr Konsumverhalten kontinuierlich zu dokumentieren. Das allein ist schon eine tolle Leistung – Glückwunsch! Noch dazu gibt es einige Haushalte, die ganz erstaunliche Ergebnisse bei der Reduktion ihrer Treibhausgasbilanz erzielen konnten. In diesem Beitrag möchten wir uns diese Haushalte und ihre Reduktionsleistungen einmal genauer anschauen und zwar jene, die insgesamt gesehen die höchsten Reduktionen erzielt haben. Wie sich diese Einsparungen auf die einzelnen Handlungsfelder verteilen, zeigen die folgenden Grafiken. Diese enthalten zudem Informationen über die jeweilige Ausgangsbilanz (Baseline 2017), den projizierten Wert für 2018, die Gesamteinsparung und weitere Informationen zu Haushaltsgröße, Flugreisen, Bildungsabschluss der KliB-Repräsentant*in und zum Einkommen.

Abb. 1:

Die höchsten Einsparungen insgesamt wurden in einem 1-Personenhaushalt erzielt, der mit einer relativ hohen Ausgangsbilanz gestartet ist (Abb. 1). Über 8,2 Tonnen CO2 hat diese Person einsparen können. Interessanterweise wurden die größten Einsparungen im Handlungsfeld Sonstiger Konsum erreicht, gefolgt von Reduktionen in der Mobilität. Diese wurden vor allem durch weniger Autofahrten im Vergleich zum Vorjahr erlangt. Recht klein, aber immerhin relevant waren auch Ersparnisse im Handlungsfeld Heizung und im Bereich Ernährung. Damit hat es diese Person mit knapp 11 Tonnen etwas unter den deutschen Durchschnitt geschafft. Ein recht hoher Anteil dieser ansonsten recht klimafreundlichen Bilanz wurde dabei durch einen Langstreckenflug verursacht, der sowohl im Basisjahr 2017 als auch in diesem Jahr getätigt wurde.

Abb. 2:

Ebenfalls beachtlich sind die Reduktionen des zweitbesten Haushaltes (Abb. 2). Dieser 3-Personenhaushalt konnte im Schnitt 5.300 kg CO2 einsparen, von ca. 14 Tonnen im Vorjahr auf knapp 9 Tonnen in diesem Jahr. Hier wurde die Zahl der Flüge innerhalb Deutschlands und Europas gesenkt von fünf auf zwei. Auch bei der Nutzung des eigenen PKWs konnten Einsparungen erzielt werden. Bei diesem Haushalt stehen die Reduktionen im Sonstigen Konsum an zweiter Stelle mit knapp 2,2 Tonnen.

Abb. 3:

Der drittbeste Haushalt mit einer Haushaltsgröße von zwei Personen konnte vor allem durch eine deutlich geringere Zahl an Flugreisen punkten (Abb. 3). Mit 4,6 Tonnen Einsparungen konnte der Ausgangswert von weit über 13 Tonnen pro Kopf auf deutlich unter 9 Tonnen gesenkt werden. Ein wesentlich kleinerer Teil wurde durch Einsparungen im Sonstigen Konsum erzielt.

Abb. 4:

Auf den vierten Platz hat es ein weiterer 2-Personenhaushalt geschafft (Abb. 4), der ebenfalls mit einer recht hohen Ausgangsbilanz gestartet ist (Abb. 4). Mit Einsparungen von fast 5 Tonnen, die vor allem im Handlungsfeld Mobilität erreicht werden konnten, hat es dieser Haushalt deutlich unter den bundesdeutschen Durchschnitt geschafft. Ein Langstreckenflug im Vorjahr hatte die Bilanz kräftig nach oben gedrückt. Immerhin drei Kurzstreckenflüge haben auch hier noch einen gewissen Einfluss auf die ansonsten klimafreundliche Bilanz dieses Haushaltes.

Abb. 5:

Der fünfte Platz ist sehr interessant, weil dieser 1-Personenhaushalt mit einem relativ geringen Ausgangswert ins Rennen gegangen ist (Abb. 5). Mit einem Wert unter dem deutschen Durchschnitt konnten durch KliB über 4 Tonnen eingespart werden. Insbesondere der Sonstige Konsum fällt hier mit gut 2 Tonnen ins Gewicht. Zudem wurden Einsparungen in der Mobilität erzielt, gefolgt von der Ernährung und dem Heizen. Keine Reduktionen gab es beim Stromverbrauch.

Insgesamt lässt sich sagen, dass bei den Haushalten mit den höchsten Reduktionswerten Einsparungen vor allem in der Mobilität erreicht wurden, dicht gefolgt vom Sonstigen Konsum. Alle Haushalte in dieser Rangliste sind mit einem relativ hohen Ausgangswert ins Rennen gegangen, konnten aber alle – wenn auch meist knapp – den bundesdeutschen Durchschnitt unterbieten. Alle fünf hier dargestellten Haushalte haben zudem Reduktionen erzielt, die nahezu über 35 Prozent liegen. Ob sie die 40 Prozentmarke bis zum Ende des Jahres schaffen, bleibt noch zu hoffen.

Diese Auswertung deutet darauf hin, dass es noch andere ‚Gewinner‘ im Reallabor geben wird. Vor allem jene Haushalte, die bereits mit einer sehr geringen Bilanz gestartet sind und die es daher teilweise deutlich schwerer hatten, erkennbare Einsparungen zu machen, das aber teilweise dennoch geschafft haben. In den nächsten Wochen möchten wir weitere Perspektiven auf die Zahlen im Labor werfen, um damit zu einem besseren Verständnis zu den Erfolgen individuellen Handelns mit Blick auf den Klimaschutz beizutragen.

„PUR+“ sucht „KliB“ Familie!

KliB Familie für Fernsehdreh gesucht!

Wie sparen Sie CO2 im Alltag ein? Was klappt gut? Was ist schwierig?

Das Wissensmagazin für Kinder und Jugendliche in ZDF und KiKA möchte darüber gerne einen Beitrag machen. In dem Haushalt sollte mindestens ein Kind im Alter zwischen 10 und 15 Jahren leben, das Lust auf den Dreh hat. Wenn es mehr Kinder sind – umso besser. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen sollen in dem Bericht vorkommen. Wir möchten darstellen, welche Erfahrungen Sie als Familie gemacht haben.

Gedreht werden soll an ein bis zwei Tagen Anfang Dezember. Wir brauchen also möglichst schnelle Rückmeldung, damit wir den Dreh planen können.

Der Film ist Teil einer “PUR+” Sendung zum Thema Klimawandel, die im Februar 2019 in ZDF und KiKA ausgestrahlt wird.

Über schnelles Feedback würden wir uns sehr freuen!

Herzliche Grüße Carina Schulz und Eric Mayer

 

“KliB: Zwischen Experiment und Klimapolitik” – KLIB-Haushalte melden sich zu Wort

In diesem neuen Format wollen wir in den verbleibenden Monaten des Reallabors Haushalte mit ihren Erfahrungen, Anregungen etc. zu Wort kommen lassen.[1] Heute schreibt Martin über seine persönliche Auswertung des KliB Reallabors, über individuelle Einsparung und wirkungsvolle Klimapolitik.

Zwischen Experiment und Klimapolitik

In unserem Projekt wird in erster Linie untersucht, inwieweit man seinen aktuellen CO2-Fußabdruck innerhalb eines Jahres um 40 Prozent oder mehr reduzieren kann. Das Zwischenergebnis dieses Reallabors kann man der Ballongrafik entnehmen.

Ich möchte in diesem Beitrag nun einmal betrachten, was das für die Absolutzahlen des CO2-Ausstoßes bedeutet, der in Deutschland pro Person bekanntlich im Durchschnitt 11 Tonnen beträgt (im Ballondiagramm angedeutet durch die waagerechte gestrichelte Linie). Das politische erklärte Ziel ist es, diesen Ausstoß in der EU bis 2030 um 40 % zu senken, also auf 60 % von 11 t: (Entspricht 6,6 t pro Person). Wir in Deutschland sind gerade auf dem Weg, dieses Ziel zu verfehlen (Zwischenziel 20 % Einsparung bis 2020).

Mit Stand vom 18.10.2018 erreichen in unserem Experiment 84 von 142 Haushalte einen (für 2018 prognostizierten) CO2-Fußabdruck von 6,6 t oder weniger, das sind 60 % der Teilnehmer. Das ist eine sehr anerkennenswerte Leistung. Mein Haushalt gehört nicht zu dieser Gruppe, wir verharren eher im Bereich des Durchschnitts-Fußabdruckes.

Auf der linken Seite nähert sich die Ballonkurve asymptotisch einem Wert von ca. 3,2 t an. Ohne einer abschließenden Auswertung des Projektes vorgreifen zu wollen, lässt diese Tatsache vermuten, dass hier der geringste individuell möglichen CO2 Emisionswert unter den gegebenen Randbedingungen erreicht wird (mit immerhin nur 30 % von 11 t).

Was will ich damit sagen? Es gibt relativ viele Teilnehmer, die ihren schon ziemlich geringen Fußabdruck weiter verringern möchten, nach ergänzenden Einsparmöglichkeiten suchen und diese (z. B. im Forum) diskutieren. Bei bereits geringem Verbrauch ist jedoch das Einsparpotenzial logischerweise gering.

Betrachtet man nun unsere Teilnehmer als ein (ziemlich grobes) Modell für die Gesamtbevölkerung, wäre es umso wichtiger, die „Normalverbraucher“ dazu zu bringen, sich zu fragen und ggf. im Forum zu diskutieren, was sie denn noch zum Gesamterfolg beitragen können. Denn dort, wo viel verbraucht wird, ist das Einsparpotenzial größer und der Effekt der Einsparung für das Gesamtergebnis umso deutlicher. Um ein gutes Gesamtergebnis zu erreichen, kommt es besonders auf die Normal- und Vielverbraucher an.

Ich vermute, dass jenseits der Teilnehmerzahl 84 (also im Bereich „Einsparung weniger als 40 %“) die Mobilität und hier besonders das Fliegen eine wesentliche Rolle spielt. Es wäre interessant, diesen Wert in der Sparte „Mobilität“ getrennt auszuweisen, um ihn besser diskutieren zu können. Das Flugverhalten ist ein komplexes Thema und es wäre interessant, sich darüber auszutauschen. Ich kenne niemanden, der ein kurzfristiges Konzept gegen die Zunahme des Flugverkehrs, geschweige denn für dessen Senkung vorschlagen kann. Nur eine These möchte ich hier schon wagen: Die in Deutschland verkaufte Gesamtzahl von Flugtickets lässt sich wahrscheinlich nicht dadurch senken, dass eine relativ kleine Zahl von Haushalten generell aus umweltpolitischen Gründen auf das Fliegen verzichtet. Oder umgekehrt gefragt: Wie groß müsste die Zahl dieser Haushalte sein, damit die Flugzahlen wirklich zurückgehen?

Das gilt eventuell auch für andere Bereiche. Die Reduzierung des CO2-Fußabdruckes durch Verzicht ist ein wichtiger Teil der Strategie, wird aber allein wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Klimaziele zu erreichen. Das führt nun direkt zu den politischen Randbedingungen (Wirtschaft und Steuern).

Es sollte eine Doppelstrategie geben, bestehend aus a) dem individuellen Verhalten und b) aus dem Einsatz für wirksame politische Rahmenbedingungen. In der Marktwirtschaft wirken die Preise und dazu zitiere ich hier wieder E. U. von Weizsäcker mit der Forderung, dass die Preise die ökologische Wahrheit widerspiegeln müssen. Die Preise sollten die Ressourceneffizienz fördern. Und für die Forschung und Entwicklung müssen die entsprechenden wirtschaftlichen Anreize geschaffen werden. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die Wiedereinspeisevergütung im Rahmen des EEG-Gesetzes, die den Entwicklern von effektiven Windkraftanlagen speziell in der Anfangsphase unmittelbare Gewinne ermöglicht hat.

Hier kurz vier (zum Teil locker formulierte) Anregungen für politische Forderungen, die etwas mit dem CO2-Fußabdruck zu tun haben:

  1. Förderung von Zugreisen und des öffentlichen Nahverkehrs (Netzausbau und Senkung der Fahrpreise). Die zusätzlichen dafür benötigten Mittel dafür könnte man aus einer (dringend notwendigen) Besteuerung des Flugbenzins generieren.
  2. Abschaffung der widersinnigen Tatsache, dass Schweinefleisch quasi das billigste Nahrungsmittel ist. Mit der Durchsetzung der bereits geltenden Tierschutzgesetze könnte das in der Massentierhaltung evtl. schon realisiert werden. Gewünschte Folge: Verdopplung der Preise, also Halbierung der Fleischmenge bei gleichem finanziellen Aufwand.
    Es könnte zusätzlich eine Win-Win-Win Situation entstehen:
    – Besserer Gesundheitszustand.
    Weniger Weizen und Mais in Monokultur werden benötigt:
    – Weniger Nitrat im Grundwasser.
    – Platz für Wiederaufforstung von Wäldern (als temporärer Kohlenstoffspeicher).
  3. Suche nach kreativen Lösungen dafür, dass es sich wirtschaftlich lohnt, Obst und Gemüse in großen Mengen in der Nähe von Ballungszentren anzubauen. Geht das evtl. mit lokalen Währungen, dazu gab es mal einen alternativen Nobelpreis?
    – Weniger Massentransporte (mit Lastwagen) aus Südeuropa.
  4. Arbeitszeitverkürzung: Ummünzen der gesteigerten Arbeitseffizienz in mehr Zeit, nicht in mehr Waren (z. B. auch um klimafreundlicher mobil zu sein). Diese Forderung ist derzeit nicht mehr aktuell, warum eigentlich?

Durch solche wirtschaftspolitischen Anreize und die entsprechende Aufklärung soll erreicht werden, dass sich schnell eine Vielzahl von Menschen (80 bis 90?) – und zwar insbesondere diejenigen mit einem großen CO2-Fußabdruck – daran beteiligen, diesen signifikant zu verringern. Aus Überzeugung und weil es sich wirtschaftlich lohnt. Preissignale sind wirkungsvoller als der Appell an die Vernunft.

Viele Grüße, Martin

 

[1] Hast Du/ Haben Sie ebenfalls ein Thema, das auch für andere Haushalte interessant ist? Und Du/ Sie möchten dazu gerne einen Newsletter-Beitrag verfassen? Dann würden wir uns über eine Nachricht an klib@pik-potsdam.de mit dem Stichwort “NL-Beitrag” freuen.

Bloß nicht wegwerfen, das kann man doch noch gebrauchen!

Seit vielen Jahren gilt Deutschland als Wegwerfgesellschaft. Das Wort beschreibt die Tendenz einer Konsumgesellschaft, zu viel zu kaufen, schnell zu konsumieren und verschwenderisch mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen und umweltschonenden Lebensweise ist der sorgsame Umgang mit den Konsumgütern deshalb entscheidend.

Die Geschwindigkeit, mit der konsumiert und auch weggeschmissen wird, ist manchmal erschreckend. Einer Studie von Greenpeace[1] zufolge kauft jede*r Deutsche im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, wobei 50 Prozent angeben, diese Kleidung bereits im ersten Jahr wieder zu entsorgen. Doch es sind nicht nur Textilien, die ein immer kürzeres Leben haben. Auch Möbel überleben immer seltener den Umzug und das neueste Mobiltelefon wird schon im kommenden Jahr durch das nächste Modell ersetzt. Diese Liste ließe sich noch um viele Punkte verlängern, aber was lässt sich diesem Verschwendungswahn entgegenstellen?

Die drei Zauberwörter des nachhaltigen Konsums lauten: „Reduce, Reuse, Recycle“. Sie bilden die hierarchischen Stufen zur Abfallvermeidung. An erster Stelle steht das reduzieren: Am besten wäre es, wenn Kaufentscheidungen besser bedacht, weniger gekauft und dadurch auch weniger weggeworfen werden würde. Den letzten Schritt bildet das recyclen: Wenn es wirklich keine andere Möglichkeit mehr gibt, als einen Gegenstand zu entsorgen, dann sollte dieser stofflich wiederverwertet werden.

Doch was macht man mit den Gegenständen, die sich irgendwo dazwischen befinden? Wir haben sie schon gekauft, sie sind noch in Ordnung, aber sie werden nichtmehr gebraucht oder gemocht. Die Lösung hierfür: Wiederverwenden! Denn bis ein fertiges Gebrauchsprodukt bei den Konsumenten landet, ist bereits viel Arbeit und Energie in Ressourcengewinnung, Verarbeitung und Lieferung geflossen (Artikel “Was steckt drin im sonstigen Konsum?”). Selbst wenn die Rohstoffe des Gegenstandes recycelt werden, gibt es immer einen Verlust. Je länger ein Produkt also genutzt wird, desto besser.

Die Ideen zur Wiederverwendung sind dabei zahllos. Es gibt den klassischen Flohmarkt und secondhand Läden, die alte Klamotten zu neuen Besitzern verhelfen. In Repair-Cafés unterstützt man sich gegenseitig bei der Reparatur von kaputten Geräten und in Verschenk-Läden kann man kostenlos ungenutzte Gegenstände gegen neue Schätze tauschen. Unter den Begriffen „Upcycling“ und „Do-it-yourself“ gibt es etliche Videos und Seiten im Internet, die einem zeigen, wie man vermeintlichem Müll neue Funktionen geben kann.

Doch die Idee der Wiederverwendung funktioniert auch im großen Maßstab. In Schweden hat 2015 das erste Kaufhaus eröffnet, in dem nur gebrauchte Ware verkauft wird. Die gespendeten Güter, wie Möbel, Kuscheltiere, Kleider, Baustoffe etc. werden sortiert, (falls nötig) repariert und in 14 thematischen Geschäften wiederverkauft. Und das Konzept geht auf! „ReTurna“ machte, nach eigenen Angaben, allein im ersten Jahr einen Umsatz von 8,1 Mio. Schwedischen Kronen[2].

Reuse als zukunftsweisendes Geschäftsmodell, das hat auch unser Stakeholder ReBuy für sich entdeckt. Die Internetplattform bietet einen Marktplatz für gebrauchte elektronische Geräte und Medienprodukte, und verlängert dadurch deren Lebenszyklus.

Wenn ihr jetzt denkt: Da habe ich auch so eine Idee… Wunderbar! Mit der Initiative „Re- Use Berlin“ hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gerade einen Ideenwettbewerb zur Wiederverwendung von Gebrauchtwaren ausgerufen. Noch bis zum 25.11.2018 können Ideen eingereicht werden und die ersten drei Plätze erhalten sogar ein Preisgeld, um den Start der Umsetzung zu unterstützen. Mehr Infos zu der Initiative gibt es hier[3].

 

[1] https://www.greenpeace.de/files/…/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf

[2] https://www.retuna.se/sidor/in-english/

[3] https://www.berlin.de/sen/uvk/presse/pressemitteilungen/2018/pressemitteilung.746354.php

Was steckt drin im Sonstigen Konsum?

Graue Energie und versteckte Emissionen

Alle CO2-Emissionen, die sich nicht den Sektoren Mobilität, Energie, Heizen oder Ernährung zuordnen lassen, gehören bei KLIB zum Sektor „Sonstiger Konsum“. Im Durchschnitt entfallen in Deutschland 4,4 Tonnen jährlich und damit 38 Prozent unseres CO2-Fußabdrucks auf den Sonstigen Konsum. Dieses Handlungsfeld zählt damit zu den wichtigsten Sektoren unserer Klimabilanz und birgt die höchsten Reduktionspotentiale. Aber was steckt konkret hinter dieser ‚catch-all‘-Kategorie?

Beim Sonstigen Konsum spielt der Begriff der Grauen Energie eine wichtige Rolle. Den meisten Produkten sieht man den Energie- und Ressourcenaufwand nicht an. Es ist also die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes oder einer Dienstleistung notwendig ist, die als „graue Energie“ bezeichnet wird. Diese Energie ist im Produkt versteckt und für den Konsumenten nicht direkt sichtbar. Für eine Bilanzierung der Grauen Energie wird daher der Energieeinsatz zur Erzeugung aller Vorprodukte bis hin zur Rohstoffgewinnung berücksichtigt und addiert (NABU 2017).

In jedem Produkt steckt demnach Graue Energie, selbst Dienstleistungen wie das Haareschneiden (Anschaffung und Verbrauch von Föhn, Haarschneidemaschine, Schere) oder die Nutzung des Internets beinhalten versteckte Energieverbräuche (NABU 2017). Zu unterscheiden ist dabei zwischen indirektem Energiebedarf eines Konsumgutes und dem direkten Energiebedarf, der bei der Nutzung des Produktes anfällt. Der Strom beim Betrieb eines Smartphones (Handlungsfeld Strom) oder der verbrauchte Kraftstoff beim Fahren mit dem Auto (Handlungsfeld Mobilität) wird über andere Handlungsfelder abgedeckt.

Aus verschiedenen Gründen erfährt das Thema der Grauen Energie in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu keine Beachtung. Sparsamer Verbrauch von Geräten, Wärmedämmung und moderne Technologien sind Stichworte, die auf Fragen der effizienten Nutzung von Konsumgütern abzielen. Dabei ist es nicht immer sinnvoll, ein ineffizientes Produkt gegen ein neues und sparsameres Produkt auszutauschen. In vielen Fällen überwiegt der Verbrauch indirekter Energieverbräuche den tatsächlichen Effizienzgewinn.

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes gehen beim Notebook zum Beispiel fast zwei Drittel der über die gesamte Nutzungsdauer zusammengerechneten CO2e-Emissionen auf das Konto der Herstellung (inklusive Transport und Verwertung). Die eigentliche Nutzung macht nur etwas mehr als ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen aus. Die Studie zeigt, dass es sich beim Notebook aus energetischen Gründen niemals lohnt, ein altes, noch funktionstüchtiges Gerät gegen ein neues, energieeffizienteres auszutauschen (UBA 2017).

Suffizienz – Rückkehr zum Wesentlichen oder ein gutes Leben für Alle?

Der Begriff Effizienz – hinter dem sich meist technische Lösungen verbergen – ist ein wichtiger Baustein für eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit. Er besagt, mit deutlich weniger Aufwand ein Mehr an Leistung zu erbringen, ohne den Nutzen zu verringern (z.B. ein neuer Kühlschrank oder eine LED-Lampe). Technische Verbesserungen und damit verbundene Kostenersparnisse führen jedoch häufig zu Rebound-Effekten, d.h. die eingesparten Kosten haben wiederum Rückwirkungen auf das Kauf- und Konsumverhalten sowie den Gebrauch der Produkte (z.B. spritsparende Autos, vgl. UBA 2014).

Im Großen und Ganzen ist sich die Forschung einig, dass Effizienz allein nicht ausreicht, um zukunftsfähige Emissionsreduktionen erzielen zu können. Nur durch ein Begrenzen des Konsums können ambitionierte Klimaschutzzielwerte (z.B. maximal 2 t CO2e pro Kopf pro Jahr) erreicht werden (Gröger 2011). Der Begriff der Suffizienz zielt auf ein Maßhalten und ein Weniger im Konsum und steht damit im Widerspruch zum Paradigma eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums als Grundlage unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Und während Politik und Wirtschaft einem solchen Konzept aus genanntem Anlass eher skeptisch gegenüber stehen, braucht es doch dringend politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die für jede KonsumentIn richtungsweisend sein sollte. Politische Maßnahmen können z.B. das Kennzeichnen von klimaschädlichen Produkten, CO2-Steuern oder Subventionen für klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen umfassen. Über das rechte Maß wird auch schon heute vielerorts bestimmt, wie z.B. in der Familie über das Taschengeld, in der Kommune, wie viel Raum für welche Verkehrsteilnehmenden zur Verfügung steht oder in der Bundespolitik, welches Tempolimit auf Autobahnen gilt (BUND 2018).

Auch wenn ein solcher Ansatz für viele Menschen nach Verzicht und Einschränkung klingt, geht es doch vielmehr auch um eine kreative Gestaltung neuer Lebens-, Wirtschafts- und Konsumformen, die auch neue Formen des Miteinanders und Produzierens einschließen. Für diese Kreativität braucht es den Raum und Menschen, die bereit sind, mit neuen Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens experimentieren. Suffizienz bedeutet daher nicht Verzicht – im Gegenteil – Suffizienz will eine bessere Lebensqualität für Alle – entkoppelt von materiellem Reichtum.

KliB-Workshop 2: Individuelle CO₂-Emissionen nachverfolgen – Perspektiven des CO₂-Trackings. Erfahrungen aus dem laufenden Reallabor „Klimaneutral Leben“ (KLIB) mit 100 Berliner Haushalten

Zeit: Dienstag, 13.11.18 von 19.00 bis 20.30 Uhr

Ort: Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität, Fasanenstraße 87 a, 10623 Berlin

Anmeldung: Die Veranstaltung ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich. Dazu bitte Email mit Betreff „Workshop 2: Tracking“ an kkaiser@pik-potsdam.de. Die Bestätigung erfolgt Anfang November. Teilnahmezahl ist begrenzt. Getränke werden gereicht.

Inhalt: In dem vom Bundesumweltministerium geförderten und vom PIK wissenschaftlich begleiteten Projekt „Klimaneutral leben in Berlin“ (KliB) haben es 100 Berliner Haushalte bislang sehr erfolgreich geschafft, ihren persönlichen CO2-Fußabdruck um über 20% zu reduzieren (sogar um mehr als 30% im Vergleich zum deutschen Durchschnitt).

Aber was bringt das eigene Engagement wirklich für den Klimaschutz?

Um das zu kontrollieren, nutzen die KLIB-Haushalte dazu wöchentlich einen eigens entwickelten CO2-Tracker, der Verbräuche von Produkten und Verhaltensweisen in CO2eq umrechnet.

In der Veranstaltung wollen wir mit den Haushalten und der interessierten Öffentlichkeit genau darüber diskutieren, wie man sein eigenes Engagement messen kann. Welche Erfahrungen haben die Menschen im Reallabor mit dem KliB-Tracker gemacht? Wo kann ein solches System helfen, das eigene Leben klimafreundlicher zu machen, wo braucht es Alternativen? Wie müsste der Tracker weiterentwickelt werden, wenn KliB von 100 Haushalten in Berlin auf 40 Millionen Haushalte in ganz Deutschland ausgeweitet würde?

Mehr Informationen: Der Workshop findet statt im Rahmen der Aktionswoche „Berlin spart Energie“ 2018 der Berliner Senatsverwaltung. Mehr Infos zum KLIB-Workshop und den weiteren Veranstaltungen unter: https://www.berlin-spart-energie.de/detail/veranstaltung/individuelle-co2-emissionen-nachverfolgen-perspektiven-des-co2-trackings-35.html